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Kölner Haie

"Verschiebung war die richtige Entscheidung!"

Interview mit Kölns Geschäftsführer Philipp Walter

Philipp Walter.
Philipp Walter.
Foto: City Press.
Philipp Walter (46), Geschäftsführer der Kölner Haie, äußert sich in einem Interview mit EISHOCKEY.INFO zu der aktuellen Situation rund um die DEL und den deutschen Eishockeystar Leon Draisaitl.

Vergangenen Freitag war eine Konferenz aller Vereine bezüglich der Lage der Saison - das Ergebnis war für die Clubs "niederschmetternd": Beginn der DEL wieder nach hinten verschoben auf Mitte Dezember!

Was sagen Sie zuerst zum neuen Namen "Penny - DEL"?

Mit "Penny" ist uns gelungen einen sehr engagierten und mutigen Partner mit ?ins Boot zu nehmen?, der ein klares Statement für das Eishockey und die DEL abgegeben hat. Gerade in diesen, doch schwierigen Zeiten, ist es ein starkes, wichtiges Zeichen, dass es uns gelungen ist, so einen interessanten Sponsor für uns zu gewinnen. Da muss ich aber auch ein ganz großes Lob an die DEL und dabei ganz besonders der Marketing-Abteilung aussprechen, dass Ihnen dieser Coup gelungen ist!

Aber eben diese DEL kam auch ein wenig in die Kritik, weil der Saisonstart wieder verschoben wurde und die Spieler auch Klarheit wollen!

Diese Entscheidung war eine sehr schwierige, weil wir als Eishockeyliga natürlich Eishockey spielen wollen. Aber die Rahmenbedingungen in dieser für alle sehr herausfordernden Zeit sind momentan nicht so, dass wir verantwortungsvoll in eine Saison starten können - das sind wir auch unseren Fans, Besuchern und Sponsoren schuldig. Auf Grund dieser Tatsachen, halte ich die Entscheidung, den Start der Spielzeit zu verschieben, für die richtige Entscheidung. Diese dadurch gewonnene Zeit werden wir jetzt weiter intensiv nutzen, um Maßnahmen zu erarbeiten - da sind noch mal alle gefordert. 

Um die Problematik mal an den Haien zu erklären: Wir hatten in der abgelaufenen Saison einen Schnitt von 13.333 Zuschauern. Durch die Inzidenzzahl sind in Köln momentan nicht viele Zuschauer erlaubt - beim FC waren es jetzt 300. Bei der im Augenblick im Raum stehenden Zahl von 20 %, wären das über den Daumen 3.500 Fans. So würden uns pro Spiel ungefähr 10.000 fehlen. In einer normalen Hauptrunde würden uns so ca. eine viertel Million Fans fehlen. Wenn man sich mal vor Augen führt, was das für uns bedeutet - es sind ja nicht nur die Tickets, auch die Einnahmen rund um das Spiel fehlen auch - werden einem die Auswirkungen deutlich. Dadurch kann ein existenzbedrohendes Szenario für viele Vereine entstehen! Darum sind alle gefordert, die Vereine, die Fans, die Spieler, die Partner. Die Spieler, hier kann ich auf jeden Fall für die Haie sprechen, sind sich dem Ernst der Lage durchaus bewusst und zeigen sich sehr verantwortungsbewusst!

Kann ich sagen: "Geld regiert die Welt!" - wieviel fehlt?

60 Millionen für die Liga. Das ist einfach eine realistische Zahl, die verdeutlicht, welches Defizit da durch die aktuellen Regelungen entsteht. Alle Klubs haben ihre Hausaufgaben gemacht und seriös durchgerechnet. Diese Zahl ist auch durchaus transparent. Damit wurde nicht etwa ein Ultimatum gestellt, sondern schlicht und ergreifend eine Darstellung der aktuellen Situation abgebildet. Die von der Regierung vorgegebenen Rahmenbedingungen verbieten in vielen Bereichen unser Geschäftsmodell. Deshalb ist auch die Politik gefordert.

Es gibt das "Corona-Hilfspaket", das u.a. auch Eishockey finanziell "unter die Arme greifen" soll. Aber es stellt sich noch als äußerst schwierig dar, antragsberechtigt zu sein! Es wird schon nicht so einfach, wenn von der Politik so ein Paket aufgesetzt wird, aber am Ende nichts bei den Klubs ankommt. Von der Liga, Verband und Politik wird da noch mal dran gearbeitet, nachgeschliffen! 

Wenn halt die Stadionauslastung nicht so groß ist, könnte da nicht das Fernsehen einen größeren Betrag für die Vereine ausschütten, da ja mehr Fans die Übertragungen sehen würden?

Wir haben mit MAGENTA SPORT einen sehr, sehr guten Partner an unserer Seite, der kooperativ zu uns steht. Da werden schon verschiedene Ideen durchgespielt. Wir spüren von dieser Seite schon einen großen Rückhalt!

Gibt es außer dem Start "Mitte Dezember" irgendetwas Konkretes, Aussichten, an denen wir uns festhalten können?

Wir arbeiten alle dran, etwas Konkretes sagen zu können!

Gehen wir mal über den ?Großen Teich? nach Amerika in die NHL - die haben ganz ohne Fans in zwei "Blasen" gespielt! Kann man da Parallelen ziehen?

Die Rahmenbedingungen sind nicht vergleichbar. Bei uns sind "Geisterspielszenarien"  aktuell nicht abzubilden. Wie schon erwähnt, sind wir von spieltagbezogenen Einnahmen sehr abhängig. Aber an dieser Stelle sollte ich auch erwähnen, dass wir bei unseren Partnern und Sponsoren, sowie Fans einen sehr großen Rückhalt verspüren. Das ist in dieser Phase, in dieser Zeit, enorm wichtig - wir sind darüber auch sehr dankbar.

Bleiben wir direkt drüben. Der Tampa Bay Lightning ist Stanley Cup und Leon Draisaitl der individuelle Sieger! Was sagen Sie zu "unserem NHL-Draisaitl"?

Es ist eine so großartige Leistung zu der wir nur gratulieren können. Aber Sie macht uns gleichzeitig auch stolz, da er ein Junge aus unseren Reihen ist!

Eine neue Trainingshalle soll in Köln-Stammheim entstehen - wie stehen die Aktien?

Es ist ein sehr spannendes Projekt, was da gerade geplant und entwickelt wird. Es soll ein inklusiver, barrierefreier Sportpark werden, der federführend unter anderem durch unseren Stammverein "Die Junghaie eV" in Kooperation mit anderen Vereinen (u.a. Rollstuhlbasketballteams der "Cologne 99ers"). Es sind zwar noch einige Hürden zu nehmen, aber das Projekt steht sehr weit oben auf unserer Agenda.

Vielen Dank!
Stand: 08.10.2020, 11:00 Uhr
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Gast
29.06.2026 19:41 Uhr

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Kommentare (1)
20.10.2020, 10:56 Uhr
Siedler65
So siehts in anderen Ländern aus:

So viele Zuschauer werden gerade in die verschiedenen Länder gelassen

Weißrussland: 100 Prozent. 

Dänemark: 375 Menschen 
Finnland: 40-60 Prozent.
England: Saison abgesagt.

Frankreich: 1000 Menschen.  

Norwegen: ...
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