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EISHOCKEY.INFO 06.04.2020, 11:00

Einer der Größten wird "50"!

Olaf Kölzig feiert Geburtstag

Olaf Kölzig mit Familie.
Olaf Kölzig mit Familie. Foto: Privat.
2020 gibt es auch Positives zu berichten! Dazu gehört beispielsweise der 50. Geburtstag eines der weltbesten Eishockey-Torhüter - Olaf Kölzig.

Am 06. April 1970 erblickte er als Sohn deutscher Eltern, die in der Hotelbranche tätig waren, in Johannisburg die südafrikanische Sonne. Als seine Eltern aus beruflichen Gründen nach Edmonton umziehen mussten, waren sie sich noch nicht der Bedeutung des Umzugs nach Kanada, in eine der Eishockey-Hochburgen Kanadas, für Söhnchen Olaf bewusst. Da sein Vater vom Eishockey begeistert war, und der heutige Jubilar, wie fast jedes Kind, auch dem Puck auf den vielen öffentlichen Eisflächen in und um Edmonton hinterherjagte, war er schnell von dem Eishockey-Virus infiziert. In den jungen Jahren spielte Kölzig Junior also noch draußen, nicht im Tor, weil diese Position nicht so beliebt war. Aber jeder musste mal ins Tor und als er mal im Tor stand, wurde direkt sein erster Spitzname kreiert: die zuschauenden Eltern riefen nämlich: "Schaut, Olie the Goalie!" Da es sich so gut reimte, wurde es immer gerufen, wenn Olaf im Tor war. Aber er wollte nicht in das Metallgehäuse, er liebte es über das Eis zu flitzen und Tore zu schießen oder zu verteidigen. Er erinnert sich an eine Situation, als er mal wieder in das ungeliebte Tor musste: "Da kam so ein Gegner ganz alleine auf mich zugerast - ich, in meiner Not und zur Freude der zuschauenden Eltern, habe mich ob der drohenden Gefahr so schnell es ging hinter dem Tor versteckt!" - seien wir doch mal ehrlich, wer hätte damals auch nur im Traum dran gedacht, dass er mal einer der Besten seines Fachs, NHL- und Nationalmannschaftstorwart wird? 

Es folgte ein weiterer Umzug, nach Toronto, in das Eishockey-Mekka schlechthin! Und der junge Kölzig blieb seinem Sport natürlich treu. Er hatte mit seinem Team ein Spiel, alle waren angespannt, doch warteten sie vergebens auf einen der wichtigsten Leute - der etatmäßige Torhüter hatte verschlafen und nun war guter Rat teuer! Wer stellt sich freiwillig ins Tor? Der Trainer entschied sich - vielleicht weil sich Olie gut auf Goalie reimt (s.o.) - für den jetzt 50-igen und der machte seine Sache sehr gut und war der gefeierte Held und jeder klopfte ihm anerkennend auf die Schulter! Dieses Ereignis war gleichzeitig eine Initialzündung bei dem jungen Spieler - er hatte Blut geleckt! Im Tor steht nur einer und da habe ich auch meine individuelle Ausrüstung - die Maske kann ich z.B. gestalten, wie ich möchte - schoss ihm durch den Kopf. Also besuchte der kommende Star-Goalie im folgenden Sommer eine Torhüterschule, dann machte er es wie Cäsar: Er kam, sah und siegte! Sein früher Spitzname "Olie the Goalie" wurde somit Realität. 

Der Traum eines jeden Sportlers ist es, dass Bestmögliche zu erreichen! So auch für Kölzig - waren es in seinen Anfängen noch Spieler außerhalb des Tores, wie Daryll Sittler, Mark Messier und Wayne Gretzky wurden diese dann durch Grant Fuhr (Edmonton Oilers) und vor allem Patrick Roy (damals Montreal Canadiens) ersetzt. Roy war auch der Grund, warum er auf dem Rücken in seiner Jugend immer die "33" stehen hatte. Dass aus seinem Traum -  Nummer 1 bei einem NHL Klub zu werden - mehr werden konnte, begann in ihm immer realer zu werden, als er von den Washington Capitals am 17. Juni 1989 im Met-Center in Bloomington, der Spielstätte der Minnesota North Stars, in der ersten  Runde an 19. Stelle gedraftet worden war. Es sollte aber noch einige Jahre (8) mit insgesamt 71 NHL-Partien vergehen, ehe ihm der endgültige Durchbruch gelang. In dieser Zeit musste er "Lehrjahre" in den Minor Leagues, ECHL (East Coast Hockey League, 3. Liga & American Hockey League, 2. Liga) absolvieren. Durchaus mit Erfolg - 1991 gewann er mit den Hampton Roads Admirals die Riley Trophy, den Meister Cup der ECHL! Und drei Jahre später wurde der aufstrebende Goalie mit der Jack A. Butterfield Trophy (wertvollster Playoff-Spieler) ausgezeichnet, nachdem er seine Portland Pirates im Finale der AHL-Playoffs zum Calder Cup Gewinn geführt, oder vielleicht besser "gehalten" hat. "Eine Meisterschaft zu gewinnen, ist für jeden Spieler das Größte! Und dabei spielt es keine Rolle auf welchem Level das passiert. Der Druck ist überall der gleiche!"

Als er in der Saison 92/93 das Tor der Rochester Americans hütete, bekam er seinen zweiten Spitznamen verpasst - während einer Partie stand ein Fan seiner Amerks auf und hielt ein Plakat in die Höhe: "Nobody beats GODZILLA!" - "Niemand bezwingt Godzilla!". Früher waren auf der Torhüter-Position eher kleinere, kompaktere Personen vertreten und Kölzig mit seinen 1,91 m eher die Ausnahme. Seine große Erscheinung, seine langen Arme, die Maske - sollten wohl an das Ungeheuer erinnern und den Gegnern vielleicht auch Angst einjagen!

Aber erst in der Saison 97/98 schaffte er den Durchbruch! Bill Ranford, bis dato die unbestrittene Nummer 1 in Washington, hatte zu Beginn den Vorzug wegen seiner größeren Erfahrung bekommen, verletzte sich aber in einer der ersten Partien und "Olie the Goalie"  bekam seine Chance - und nutzte sie. Mit seinen grandiosen Paraden "vernagelte" er praktisch das Tor und die "Caps" erreichten mit seiner Hilfe das Finale um den Stanley Cup. Hier trafen sie  im Juni 1998 auf den Titelverteidiger, die Detroit Red Wings! Detroit ließ dem "finalunerfahrenen" Team um den deutschen Keeper in vier Spielen keine Chance, obwohl der heute Fünfzigjährige hielt, was zu halten war - (1:2; 4:5; 1:2; 1:4). Trotz der Enttäuschung in der Endspielserie war es das Jahr von Olaf Kölzig! Nur ihm und seinen unglaublichen Paraden hatten es die Hauptstädter zu verdanken, dass sie ins Finale kamen! Es folgten noch sieben, acht Jahre in denen er auf höchstem Niveau den Puck versuchte vom Überqueren seiner Torlinie zu hindern! In diesen Jahren, es war auch die Zeit in der die Capitals ein neues Team aufbauten und deswegen die Endrunde öfters nicht erreichten, stand der "Riese im Tor", auch wegen seiner 1,91 m Körpergröße, der deutschen Nationalmannschaft zur Verfügung und gab - Dank seiner deutschen Eltern - bei sechs Events (Olympische Spiele, 1998 + 06; World Cup, 96 + 04, WM 97 + 04) für sein Heimatland sein Bestes!

Das Team aus Washington DC befand sich im Umbruch und hatte durch Drafts und Tauschgeschäfte (u.a. Alex Ovechkin, Niklas Bäckström, Mike Green) wieder ein hoffnungsvolles Team zusammen, als der Generalmanager George McPhee Olie mitteilte, dass er die Zukunft ohne den "alternden Star" plane. Dies setzte zuerst bei ihm und dann auch bei McPhee Emotionen frei und so schieden beide Seiten im Unfrieden! Der Abgesägte unterschrieb bei dem Tampa Bay Lightning einen neuen Vertrag, um allen zu zeigen, was er noch zu leisten im Stande ist. Aber sein Körper machte ihm bald klar, dass es Zeit sei aufzuhören. Im Nachhinein bezeichnet diesen Schritt als seinen vielleicht größten Fehler seiner Karriere - hätte er 2008 aufgehört, wäre er ein Franchise-Player (nur für eine Organisation) der Capitals gewesen und hätte sich viel Ärger gespart. 

Aber mit der Zeit glätteten sich die Wogen wieder und der fast einen Kultstatus innehabende Kölzig wurde mit offenen Armen wieder im Franchise der Capitals aufgenommen. Sein jetziger Job ist es, den jungen Spieler ein wenig zur Seite zu stehen, ihnen bei der Bewältigung von Problemen zu helfen - so etwas wie ein Mentor! Deswegen ist er auch sehr oft in den Farmteams bei den Hershey Bears (AHL) und Carolina Stingrays (ECHL) zu finden, um die hoffnungsvolle Jugend an die NHL heranzuführen. 

Als seine Washington Capitals 2018 den Stanley Cup endlich gewannen, waren sieben "seiner" Schützlinge in dem Siegerteam und sein Traum von seinem Namen eingraviert in dem "Cup aller Cups" wurde auch Realität - wenn auch etwas später, aber er war Teil der Mannschaft! "Zu Alex (Ovechkin) habe ich aus unserer gemeinsamen Zeit noch ein ganz besonderes, fast brüderliches Verhältnis!"

Neben den drei Titeln im amerikanisch/kanadischen Eishockey (NHL, AHL, ECHL) hat der Trophäensammler auch noch eine "Deutsche Meisterschaft" gewonnen. 2005, als die NHL wegen eines Lockouts pausierte, wurde er ein Eisbär und gewann mit Berlin die DEL-Meisterschaft. Also viermal Champion - in vier verschiedenen Ligen!

Der "Neu-50er" lebt jetzt mit seiner Familie {Ehefrau Christin, Sohn Carson, sowie Ashlyn und Kendall} in Tri-City (wo seine Karriere bei den Tri-City Americans in der WHL - Junioren Liga: Western Hockey League begann und er seine Frau kennenlernte).  

Hoffentlich wird er dem Eishockeysport noch eine ganze Weile erhalten bleiben!

Ivo Jaschick.
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Gast
27.05.2020 15:41 Uhr


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Kommentare (1)
06.04.2020, 16:24 Uhr
Sir Toby
Geiler Artikel, vielen Dank. Mehr davon!
Bewerten:7 


EISHOCKEY.INFO 27.04.2020, 20:54

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