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Minnesota Wild 14.01.2020, 16:05

Sturm - ein Name, der viel verspricht!

Interview mit dem gebürtigen Augsburger in Nordamerika

Nico Sturm.
Nico Sturm.
Foto: NHL-Media.
Interview Der 24-Jährige Nico Sturm ging mit vor sechs Jahren über den "Großen Teich" und schloss den Minnesota Wild an. In der laufenden Saison absolvierte Sturm sechs Spiele in der NHL und 31 Spiele für das Farmteam Iowa Wild. Ivo Jaschick sprach mit dem deutschen Stürmer in Nordamerika:

Mit den Clarkson Golden Knights sind Sie an einem Freitag ausgeschieden, Samstag war Heimreise und Sonntag stand das Telefon nicht mehr still. Die Minnesota Wild machten das Rennen um Sie!

Ja, es war schon verrückt, ich packte sofort meine Sache, trainierte Dienstag schon mit dem Team, leider verhinderte die fehlende Arbeitserlaubnis meinen sofortigen Einstieg. Aber dann war ich noch bei den beiden letzten Spielen der letzten Saison dabei: ein Heimspiel gegen Boston und in Dallas! Enttäuschend war das Ergebnis, da beide Partien mit 0:3 verloren gingen - doch für mich war es einfach toll!

Sie haben im letzten Eishockeyjahr von der College-Liga kommend direkt zwei Spiele in der NHL gemacht. Wie war der Unterschied?

Das College-Eishockey ist in Deutschland ja nicht so bekannt, aber es kommen pro Jahr doch der ein oder andere NHL-Spieler aus der College Liga hervor! Als ich 18 Jahre alt war, habe ich mich noch nicht so fit für das Profi-Eishockey gefühlt und die Schulausbildung war mir extrem wichtig, so dass ich unbedingt ein Stipendium bekommen wollte. Also bin ich nach Amerika gekommen, um meinen Traum zu verwirklichen. Ich kam, spielte zwei Jahre Junioren-Eishockey, danach noch drei Spielzeiten für mein College (Clarkson University), um dann einen Profivertrag zu bekommen. Ich habe halt viel mehr Zeit gebraucht, um wie ein Dominik Kahun oder Leon Draisaitl, bei denen man von Überfliegern reden kann, mit 18, 19 hier schon Profi-Eishockey zu spielen - und mir wurde die Zeit gegeben.

Man könnte fast sagen, Sie pendeln zwischen der NHL und der AHL, zwischen St. Paul und Des Moines, hin und her!

Ja, kann man fast sagen! Innerhalb von drei Monaten bin ich zweimal bei den Wild in Minnesota gewesen, um wieder nach Iowa geschickt zu werden. Jeden Moment könnte ich einen Anruf bekommen, in dem mir mitgeteilt wird: "Sachen packen, wir brauchen dich!"

Was würden Sie zu Ihrem momentanen Arbeitsplatz in Des Moines, Iowa sagen? Ist es hier eine richtige Eishockeystadt, wie die Twin Cities Minneapolis/Saint Paul?

Klar, mit dem NHL Standort in Minnesota kann man Des Moines auf gar keinen Fall vergleichen. Aber auch hier ist der Eishockeysport im Kommen. Schaut man zurück, stellt man fest, dass es auch hier eine Eishockey Historie gibt. Seit einigen Jahren (1980) gibt es hier schon einen, allerdings Junioren-Verein (Des Moines Buccaneers, in der USHL (United States Hockey League). Mit der Aufnahme des Spielbetriebs durch die AHL Wild haben wir schon eine große Fan-Basis hier. Dadurch, dass unsere Spielstätte, die Wells Fargo Arena, ziemlich groß ist (15.181), wirkt die Zuschauerzahl niedriger, als sie tatsächlich ist. Für einen AHL-Verein haben wir hier schon echt top Bedingungen!

Was können Sie über die Unterschiede zwischen den Ligen sagen, der Juniorenliga USHL, der AHL und der NHL sagen?

Grundsätzlich ist in jedem Schritt, den man weiter auf der Leiter nach oben macht, werden die Mitspieler und Gegner besser, man hat weniger Zeit um den Puck zu kontrollieren, das Spiel wird dadurch noch rasanter, schneller. Fast jeder NHL-Spieler musste den Umweg über die AHL gehen, deswegen sind eigentlich alle Ligen unterhalb der NHL sogenannte "Ausbildungsligen"! Die American Hockey League ist die beste! Die Akteure sind auch alle etwas jünger - nur eine Handvoll pro Team dürfen etwas älter sein. Und das einzige, was zählt, ist der Erfolg der NHL-Mannschaft. Dabei wird auch keine Rücksicht auf das Farmteam genommen. Komme was wolle, das NHL-Team geht vor!

Aber ist es nicht etwas frustrierend, Sie werden hoch gerufen und trotz (persönlicher, zwei Assists) Erfolge wieder nach Iowa geschickt?

Also, ich hatte es in dieser Saison auch so erwartet, es ist mein erstes Profijahr und da sollte man schon ein bisschen bodenständiger bleiben. Und außerdem war die Vertragssituation der vier Center, die oben noch vor mir sind, so ist, dass wenn sie fit sind, sie auch spielen. Allerdings hatte ich ein echt gutes Trainingscamp und ich war der Auffassung, dass ich aufgrund der gezeigten Leistung ruhig hätte oben bleiben dürfen. Auch nach meinem kurzen sechs Spiele Einsatz Ende des Jahres stimmte die Leistung, aber alle vier Stamm-Center waren halt wieder fit und ich unten!

Vielleicht will man Sie auch nicht gleich verheizen, sondern erst einmal langsam aufbauen!

Ja, kann gut sein, denn meine Eiszeit wurde auch ganz anders eingeteilt als hier bei den Iowa Wild. In der NHL spiele ich eine>Bottom Six< Position, also in der dritten/vierten Reihe, während ich hier Powerplay und alles Mögliche spiele, bin immer auf dem Eis, bei 3 gegen 3,  sowie bei 4 gegen 4. Deswegen kann ich hier auch vielmehr mein offensives Spiel zeigen. 

Wie sieht eigentlich Ihr Spielstil aus?

Ich bin eigentlich von Hause aus ein defensiv veranlagter Stürmer. In der Defensive liegt auch eine Stärke von mir, so hat mich Bruce Boudreau während meiner sechs Partien im Dezember auch in der eher defensiven Rolle gegen die top Reihen von Colorado, mit (Nathan) MacKinnon, und den Islanders eingesetzt. Er weiß, dass es eine Stärke von mir ist, das Spiel für die anderen einfach eng zu machen, da ich auch hier meistens in diese Rolle gesteckt werde - gegen die Top-Reihen zu spielen! Mein größtes noch zu entwickelndes, schlummerndes Potential liegt wohl in der Offensive. Ich habe in diesem Jahr schon etwas an meinen Schlägern geändert und an meiner Schusstechnik gefeilt - da ist auf jeden Fall noch der größte Entwicklungsbereich - das offensive Spiel!

Kann man Sie eher als Torschütze oder Vorbereiter bezeichnen? Eigentlich hatte ich heute Ihren ersten Hattrick mir zu Ehren erwartet?

Ganz klar, das Vorbereiten steht bei mir ganz klar an erster Stelle. Heute hat es mal wieder mit dem Tore-Schießen geklappt, da keiner günstiger stand. Aber ansonsten suche ich schon eher den besser positionierten Mitspieler. Hätten Sie mir Ihr Kommen angemeldet, hätte ich es noch versucht ein drittes Mal zuzuschlagen. Nein, ich kann mich gar nicht mehr dran erinnern, dass mir je ein Hattrick gelungen ist!

Morgen sehen wir uns bei Ihrem nächsten Spiel bei den Chicago Wolves - fliegen Sie, oder wie reisen Sie in der AHL?

Wir fahren jetzt mit dem Bus nach Chicago - er fährt um 10:30 Uhr! Wir brauchen bestimmt sechs Stunden und werden vor 4:30 Uhr nicht im Hotel sein, das genau gegenüber der Arena liegt. Also ist das Reisen in der AHL nicht so prickelnd. Wir haben gute Schlafmöglichkeiten im Bus, richtige Betten, aber an das eigene kommt es lange nicht ran! Diese brauchen wir auch, damit wir am nächsten Tag nach der langen Fahrt, wieder einigermaßen fit sind. Zu unseren Spielen in Texas oder Kalifornien hingegen fliegen wir schon. Aber alles was unter sieben, acht Stunden dauert, machen wir mit dem Bus!

Haben Sie schon einen Spitznamen?

Ja, Sturmi!

Was war bisher Ihr größter sportlicher Erfolg?

Mein erstes NHL-Spiel am 04.04.19 gegen die Boston Bruins! Trotz eines 0:3 war es für mich ein einschneidendes Erlebnis. Ich habe mein ganzes Leben lang auf diesen Augenblick, mein erstes Spiel hier hingearbeitet, ist es schon etwas ganz Besonderes! Hinzu kam noch, dass meine Familie dabei sein konnte.

Nach dem größten Erfolg folgt die Frage nach dem Moment, den Sie am liebsten aus Ihrer Vita streichen würden!

Als kleines Kind, war ich schon sehr gut, galt als ein Ausnahmetalent. Darauf habe ich mich dann ausgeruht und habe als 10 - 12 Jähriger nur noch das Nötigste gemacht, bis es dann irgendwann nicht mehr gereicht hat. Ich war dann auch bei der U17, 18 nicht mehr dabei - es war halt die Zeit in der Pubertät, wo ich nur noch darauf aus war, so wenig zu machen, wie es nur ging! Bei mir hat der Reifeprozess, bis die Erkenntnis kam, dass ich für den Erfolg auch etwas tun muss. Ich frage mich manchmal, wo ich jetzt stehen würde, hätte ich mir den "Tritt in den Arsch" schon früher gegeben. 

Verfolgen Sie noch die DEL?

Ja, klar! Hauptsächlich gilt mein Augenmerk als gebürtiger Augsburger natürlich den Panthern! Anschauen kann ich mir die Spiele hier nicht, wegen der Zeitverschiebung und eigenem Training, aber ich bin schon informiert über die Spiele, die Tabellen und die Highlights schaue ich mir schon an. Außerdem kann ich mir von meinen Eltern noch weitere Neuigkeiten zu kommen lassen.

Wie stehen die Chancen, dass Sie eventuell mal zurück in die DEL kommen?

Mein Leben ist jetzt hier in Amerika - nicht nur wegen des Eishockeys, auch meine Freundin ist hier! Wir sind schon seit über drei Jahren zusammen, deswegen ist mein Leben hier! Aber ich könnte mir schon vorstellen, dass ich an meinem Karriereende noch einmal gerne in Deutschland spielen würde.

Gesetz den Fall, Sie können sich hier nicht durchsetzen und würden weiter in den Minors "rumdümpeln" - ohne Chancen auf die NHL!

Die Frage ist schon berechtigt! Ich müsste mich schon fragen, was dann das Richtige wäre. Es ist halt jetzt nicht leicht zu sagen, sollte ich nach Deutschland zurückkehren, wäre der Schritt in die NHL noch schwieriger. Jetzt bin ich hier im System drin, bin sogar recht nahe an der NHL dran und verschwende jetzt keinerlei Überlegungen nach Deutschland zurückzukehren. Ich schaue nach oben!

Weiterhin viel Erfolg und baldige Rückkehr in die NHL!
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Gast
13.08.2020 02:35 Uhr


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