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Fischtown Pinguins 21.01.2021, 19:27

"Ich würde gar nichts anders machen!"

Interview mit Thomas Popiesch - Teil 2/2

Thomas Popiesch.
Thomas Popiesch.
Foto: Andreas Dick.
Interview Im zweiten Teil des Interviews sprach Thomas Popiesch mit Ivo Jaschick über seine Karriere als Spieler und Trainer "im Westen".

Wie lautet Ihre Devise als Trainer: Zuerst die Offensive und dann die Defensive oder umgekehrt?

Meiner Meinung nach liegt ein Coach schon falsch, wenn er beide Sachen getrennt betrachtet! Beide Sachen sollten in einer guten Balance gehalten werden. Wenn über Offensive und Defensive geredet wird, reden wir über Positionen und dann liegt es an der Bereitschaft der Spieler nur einen Weg zu gehen. Dann musst du als Trainer natürlich einschreiten. Ich würde zum Beispiel nie sagen, dass wir jetzt bedingungslos nach vorne rennen, oder uns nur hinten reinstellen! Man muss immer einen guten aus beidem finden. Sollte ich aber eine Entscheidung treffen müssen, wäre ich immer ein Freund des schnellen, kreativen und offenen Eishockeys. Ich glaube, dass das auch die Fans, die Zuschauer wollen!

2006 war Ratingen dann direkt Ihre erste Trainerstation, es folgten Engagements bei den Lausitzer Füchsen, dann 5 ½ Jahre in Dresden, bevor Sie am 25. Januar 2016 einen Vertrag bei Ihrem jetzigen Arbeitgeber, den Fischtown Penguins in Bremerhaven unterschrieben haben.

In Ratingen habe ich angefangen, aber die Mannschaft ging direkt nach zwei Monaten in Konkurs und im Oktober folgten die Lausitzer Füchse bis 2009, dann die Löwen Dresden bis 2015 und dann begann meine Zeit hier in Bremerhaven!

Was auffällt ist, dass Sie an allen Orten Ihren Job sehr lange ausgeübt haben. 2018 wurden Sie direkt mit Ihren Pinguins "Trainer des Jahres" - was sagen Sie dazu?

Bei allen meinen Stationen stand auch immer im Raum, dass wir etwas Großes aufbauen wollten. Das war in Weißwasser so, auch in Dresden, trotz großer finanzieller Probleme. Wir wollten auch den Standort festigen und hatten dabei auch einiges an politischer Arbeit zu verrichten! Dann ereilte mich das Angebot von Bremerhaven, die sich zur damaligen Zeit noch in der DEL2 tümmelten. Der Manager  Alfred Prey und ich waren uns einig, dass langfristig ein DEL-Team aufgebaut werden sollte, das in 2-3 Jahren fit für die höchste Klasse wäre! Dann stand jedoch urplötzlich im Sommer der Lizenzverkauf der Hamburg Freezers an. Auf der einen Seite war dies eine glückliche Fügung für uns, aber auf der anderen hatten wir ein Team, das zweitligatauglich war. Zwar hatten wir dann bei der Nachverpflichtung von fünf weiteren Spielern viel Glück und es lief hervorragend.  

Zum zweiten Punkt: "Trainer des Jahres" - das ist immer ein Produkt des ganzen Vereins. Arbeitet der ganze Verein, in allen Bereichen, herausragend und produziert hervorragende, positive Ergebnisse, dann kommt so etwas zustande. Aber das geht immer nur mit einer geschlossenen Teamarbeit, wenn alle in die gleiche Richtung arbeiten - dann hat man die Möglichkeit mit einem kleinen Etat aus einer Mannschaft etwas Großes herauszuholen.

Wie haben Sie Ihre "Fischtown Penguins" geschaffen, welche Hilfen standen zur Verfügung?

Das war und ist ein Prozess, bei dem viele Leute involviert sind. Die Manager Hauke Hasselbring & Alfred Prey, die Geschäftsstelle, die Ärzte, Physiotherapeuten, die ganze Organisation sind hier einbezogen. Der Begriff Familie spielt dabei eine wichtige Rolle - hierbei fallen die eishockeytechnischen Fähigkeiten auch ins Gewicht, aber wichtiger ist der Charakter! Der muss passen! Wenn du die Zeit und die Möglichkeiten hast, schaffst du dann auch eine Philosophie in die Mannschaft zu bringen. Ich denke, dass wir das hier bei den Penguins ganz gut geschafft haben. Hier zählt harte Arbeit und die Leute wissen, für welche Werte wir stehen. Es muss Disziplin herrschen, etwas Demut, aber es müssen auch Ziele da sein. Vielleicht auch manchmal etwas größere Ziele!

Ein größeres Ziel könnte die Meisterschaft sein. Wie sieht es jetzt in der Corona Zeit aus, wie sind die  finanziellen Möglichkeiten?

Da gibt es Mannheim und München, die finanziell eher auf Rosen gebettet sind! Diese beiden Teams, da möchte ich mich fast festlegen, werden den Meister in den nächsten Jahren unter sich ausmachen. Wir wollen immer eine gute Rolle spielen und wenn möglich mal für eine Überraschung sorgen. Das Ziel lautet immer: Erreichen der Playoffs und dann muss man halt weiterschauen, dort könnte auch mal das Glück auf unserer Seite sein. Aber das ist auch gar nicht der Hauptanspruch - wir wollen den Fans und Sponsoren hier in Bremerhaven Woche für Woche attraktives, ehrliches und gutes Eishockey zu zeigen, an dem die Zuschauer auch ihre Freude haben. Die Leute, die dafür bezahlen sollen Spaß haben - darum geht´s doch!

Sie sprachen gerade von Überraschungen - beim Magenta - Cup waren Sie eine solche. Super gespielt und erst im Finale unglücklich gegen Red Bull München verloren! Und jetzt nach zwei Niederlagen wieder sechs Siege in Folge!

Wir müssen jetzt auf dem Boden bleiben. Jeder weiß, wie schnell der Erfolg im Sport verblassen kann. Wenn man beispielsweise ein, zwei verletzte Spieler in Schlüsselpositionen hat, dann kann es auf einmal in die andere Richtung gehen. Wir sollen jetzt erst einmal froh sein, wie es momentan läuft, weiter hart arbeiten und nicht so weit in die Zukunft schauen, sondern schön Schritt für Schritt nach vorne. Das ist nämlich meist das Problem bei kleineren Vereinen, dass Verletzungen diese schnell aus der Bahn werfen können. Aber ich möchte jetzt nicht ins Negative abdriften, sondern in die richtige Richtung weitermarschieren.

Sie sagten es gerade schon, kleine Vereine brauchen Überraschungen - könnte ich auch hier sagen, dass Geld die Welt regiert?

Natürlich können Sie das sagen - wer ist denn in den letzten Jahren Meister geworden? Es sind die Mannschaften mit Geld, weil sie in den entscheidenden Situationen auf einen größeren, tiefer besetzten Kader zurückgreifen können. Dann haben sie halt manche Positionen doppelt besetzt und Ausfälle fallen nicht so ins Gewicht! Und sie können während einer Saison auch noch mal nachjustieren. Aber, dass konnte man auch sehen, es war immer mal eine Überraschung dabei, die die "Großen Zwei" mal versucht haben zu ärgern! Neben Mannheim und München kommt mit den Eisbären, die ja in den letzten 20 Jahren siebenmal Deutscher Meister waren noch ein weiterer Großer dazu.

Wie sehen Ihre Hobbys neben dem Eishockey aus?

(ihm gegenüber sitzt der Manager Alfred Prey) Eine gute Gesprächsrunde mit Alfred! (was aber direkt relativiert wird) Nein, das sollte eigentlich nur ein Witz sein! Hauptsächlich im Sommer gehen ich viel Golf und Tennis spielen und schwinge mich zum Ausgleich auf mein Fahrrad!

Wenn Sie nicht Coach geworden wäre - was sehr schade wäre - was dann? 

Das kann ich nicht genau sagen, aber es hätte schon etwas mit Sport zu tun gehabt haben müssen. Was jetzt genau, kann ich nicht sagen!

Letzte Frage, dann sind Sie erlöst: Wenn Sie die Uhr noch einmal zurückdrehen könnten - praktisch den RESET-Knopf drücken - was würden Sie anders machen?

Gar nichts!

Vielen Dank!
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Gast
27.02.2021 20:21 Uhr


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Kommentare (1)
25.01.2021, 21:07 Uhr
fcbgarfield
Ein verdammt netter Zeitgenosse der Herr Popiesch 👍😉
Bewerten:9 


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