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EISHOCKEY.INFO 13.12.2020, 18:10

Was macht eigentlich Gordon Blumenschein?

Interview mit dem ehemaligen Kölner Meisterspieler

Gordon Blumenschein.
Gordon Blumenschein.
Foto: Privat.
Interview Gordon Blumenschein gewann 1986 mit Köln die Meisterschaft und war danach auch als Spieler und Trainer in unterklassigen Ligen erfolgreich. Sein Neffe Kristian spielt in Kassel. Ivo Jaschick erreichte ihn in seiner Heimatstadt Winnipeg:

Was machen Sie in Ihrem zweiten Leben, nach dem Eishockey also, beruflich?

Ich unterrichte Kinder, bin also ein Lehrer! Momentan werde ich als sogenannter Springer eingesetzt, wenn ein Kollege krankheitsbedingt, oder aus anderen Gründen, ausfällt, werde ich angerufen und dann ersetze ich ihn für den einen oder auch mehrere Tage. Dann bin ich auch noch als Immobilienmakler tätig und bin auch noch so ganz nebenbei Hausmeister in unserem eigenen Wohnblock mit 11 Wohnungen, wo ich dann so kleinere Reparaturen durchführe und alles so im Blick behalte - über wenig Arbeit in meinem Leben nach dem Eishockey kann ich also nicht klagen.

Lehrer - was unterrichten Sie?

Sport natürlich, manchmal auch Mathematik und Wissenschaft - eigentlich alles. Es kann dann auch vorkommen, dass ich Musik unterrichten muss! Das ist für mich sehr schwer, da ich nicht sonderlich musikalisch bin. Aber es macht trotzdem Spaß, da die Schüler gut, nett und tolerant sind! 

Sie wurden 1976 von den Edmonton Oilers (WHA) gedraftet, kamen aber nur für die Baltimore Clippers, wenn auch sehr erfolgreich, zum Einsatz, bis die Liga in diesem Jahr nach 47 Spielen aufgelöst wurde!

Ja, ich spielte damals für die Baltimore Clippers, dem Farmteam der Oilers, in der SHL (Southern Hockey League) bis die WHA im Februar ihren Spielbetrieb einstellte. Ich ging damals zurück nach Winnipeg auf die Universität. 

Sie hatten 12 Tore und 23 Assists in den 47 Spielen erzielt - könnte ich sagen, Sie waren zum falschen Zeitpunkt am richtigen Ort?

Jein! Bis ich im Alter von 18 und 19 Jahren zwei schwere Knieoperationen hatte, wurde ich von der NHL als potentieller Erst- oder Zweitrunden-Draft gehandelt. Jeweils zwei Monate musste ich pausieren, und danach war mein NHL-Traum vorbei, da den Teams meine "Ziehung" wegen der Knie zu risikobehaftet war. In der Konkurrenzliga WHA zogen mich die Oilers dann doch, schickten mich aber direkt in die "Southern Hockey League", wo ich bis zur Auflösung spielte. Es war damals sehr schwierig, da praktisch jede Woche neue Spieler kamen und man musste immer damit rechnen in der nächsten Woche nicht dabei zu sein. Nach meiner Rückkehr nach Winnipeg habe ich in der Uni dann neben dem Studium auch weiterhin Eishockey gespielt!

Wie kamen Sie nach Deutschland? War es nicht so, dass einige Leute systematisch in Kanada nach Spielern mit "deutschen Wurzeln" gesucht haben? Der Name war ein Kriterium!

Ja, absolut richtig! Die erste Person war, so weit ich mich erinnern kann, ein Trainer aus dem süddeutschen Raum, der von der Universität von Calgary drei oder vier Spieler bekommen hat, die Kanadier mit deutschen Eltern oder Großeltern waren - also als Deutsche spielen konnten. Dann kamen mehrere auf diese Idee und die Colleges und Universitäten wurden nach deutsch klingenden Namen durchforstet. "Blumenschein" klang ziemlich deutsch - also bekam ich einen Anruf und wurde gefragt, ob ich deutsche Vorfahren hätte. Ich antwortete, dass meine Mutter aus Deutschland kommt, und so bekamen mein Bruder Peter und ich ein Angebot nach Deutschland zu gehen! Wir haben es sofort angenommen und waren in Deutschland. Mein Bruder ist  nach zwei Monaten mit seinem Kumpel aus irgendeinem Grund zurückgegangen - es war seine Entscheidung, da er wohl nur ein bisschen Europa kennenlernen wollte. 

Sie kamen 1980 nach Essen, spielten dann in Köln, Bad Nauheim, Dortmund und wieder Bad Nauheim, bevor Sie hinter der Bande als Trainer agierten - wo hatten Sie die schönste Zeit und an welche Station die besten Erinnerungen? 

Um ehrlich zu sein, waren meine Stationen in Essen und Bad Nauheim die, die ich am meisten genossen habe! Obwohl wir in der ersten Zeit in Essen sehr wenig verdient haben, hatten wir da den meisten Spaß. Und in Bad Nauheim war es schon ähnlich - die Freude stand im Vordergrund! Zurückblickend hatte ich in diesen beiden Orten meine schönste Zeit! Und Köln? Natürlich habe ich in Köln die "Deutsche Meisterschaft 1986" gewonnen - das war schon ein riesiger Erfolg und es war für mich eine tolle Erfahrung und ein interessantes Jahr! Aber ich habe auch mit anderen Vereinen Erfolge gefeiert, nicht auf dem gleichen Niveau. 

Wenn Sie Ihre Karriere Revue passieren lassen, was waren Ihre besten und was Ihre weniger guten Momente?

Den größten Moment hatte ich ohne Zweifel in Bad Nauheim, als wir in der Oberliga (90/91) gespielt haben und am Ende die Meisterschaft gewonnen und aufgestiegen sind. Niemand hatte uns auf der Rechnung gehabt, da wir mit sehr vielen Eigengewächsen gespielt haben - es waren, wenn ich mich recht erinnere acht oder neun Bad Nauheimer dabei! Für mich, als Spieler-Trainer war es natürlich ein riesiger Erfolg. Es war einfach ein super Jahr - einfach alles hat geklappt! Wir haben hart gearbeitet, die Mannschaft zog voll mit, jeder hat sein Bestes gegeben, wir wurden toll von den Fans und der Stadt unterstützt - alles passte!

Es ist nicht immer alles rosig, das ist vollkommen klar, aber es ist auch schwer etwas Schlechtes herauszustellen. Vielleicht waren es ein paar Tage in Essen oder dann in Hannover. Ich kam dort mit meiner schwangeren Frau an und hatte dann das Gefühl, dass man nicht so ganz ehrlich zu mir gewesen ist. Es hatte mich etwas getroffen und somit muss ich sagen, dass diese Zeit nicht so optimal für mich war! Ich trainierte dann in Salzgitter und danach war ich noch in Hamburg, wo wieder alles perfekt war. 1997 sagte ich Deutschland "Good Bye" und Winnipeg wurde wieder unser Wohnort!

Ihr Neffe Kristian, Sohn Ihres Bruders Paul, wandelt jetzt in den Fußstapfen seines Onkels und spielt bei den Kassel Huskies in der DEL2!

Aber einen Unterschied gibt es auf jeden Fall - er ist Verteidiger und ich war Center! Kristian hatte sich von Anfang an viel wohler als Defender gefühlt. Er ist in meinen Augen ein sehr guter Schlittschuhläufer, ist sehr beweglich, kann ein Spiel lesen und hat ein gutes Puckhandling. 

Haben Sie ihm vom deutschen Eishockey vorgeschwärmt und verfolgen Sie das Geschehen im deutschen Eishockey?

Ja, ich habe ihm viel vom Land, von den Leuten und vom deutschen Eishockey erzählt. Ich stehe auch noch hauptsächlich mit meinen Freunden in Bad Nauheim in Kontakt, schaue mich aber auch im Internet um, was dieser und jener macht! Ab und an berate ich den EC Bad Nauheim und bleibe in ständigem Kontakt mit ihnen. Jetzt, da Kristian ein Husky ist, werde ich noch öfter durch die DEL2 surfen!

Was können Sie über das deutsche Eishockey sagen? Hat es sich weiterentwickelt?

Das letzte Mal war ich vor vier Jahren zu einem Abschiedsspiel nach Deutschland gekommen. Da habe ich live miterleben können, was für einen großen Schritt nach vorne das deutsche Eishockey gemacht hat. Ich war u.a. in Kassel (konnte Kristian nur Gutes erzählen) und es war schon imposant, wie sich das Eishockey weiterentwickelt hat. Ich glaube schon, dass es irgendwann eine internationale Liga mit Teams aus Nordamerika und Europa geben wird. Die Einzelheiten müssten noch geklärt werden. Aber das wäre bestimmt interessant!

Letzt Frage: Wer ist der weltbeste Eishockeyspieler? Stichwort Leon Draisaitl!

Ich weiß noch, ich habe gegen seinen Vater Peter gespielt! Er war schon ein sehr guter Spieler und sein Sohn Leon ist wohl noch ein wenig besser, wobei man bedenken muss, dass es auch eine andere Zeit war. Leon hat eine super Saison gespielt und zählt unter Garantie zu dem Besten vom Besten - doch müsste ich wählen, ich würde wahrscheinlich Connor McDavid nehmen, der für mich noch einen Deut besser ist! McDavid hat dieses Niveau schon über fünf Jahre bewiesen, während Draisaitl zwar immer besser wird, aber noch nicht diese Konstanz gezeigt hat! 

Vielen Dank für dieses nette Gespräch!
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Gast
22.09.2021 07:20 Uhr


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Kommentare (1)
15.12.2020, 20:18 Uhr
NelsonPyatt
Klasse Rubrik hier auf der Seite.
Gordon Blumenschein war schon ein Ausnahmespieler !!
Als nächsten "Ehemaligen" würde ich Art Rutland vorschlagen
Bewerten:3 


EISHOCKEY.INFO 09.02.2021, 23:02

Was macht eigentlich Manfred Wolf?

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Frank Hohenadl.
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Roger Nicholas.
Roger Nicholas.
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