Berliner entführen erste Punkte aus Bad Nauheim
Thomas Barczikowsk verärgert
(rt-badnauheim.de) Die drei Punkte waren von vielen schon vorher einkalkuliert, dass man aber erst jedes Spiel spielen muss, davor hat der Trainer vor der Partie oft genug gewarnt. Und so kam es dann auch beim dritten Heimspiel der Saison am Freitagabend, in dem man stets viel zu weit weg von seinem Gegner stand, und auch das Spiel nach vorne so gut wie überhaupt nicht funktionierte. Hinzu kam eine permanente Führung der Gäste, die jeweils nur kurzzeitig ausgeglichen werden konnte, was zusätzlich zermürbte.
RT-Coach Thomas Barczikowski hatte sich vorgenommen, mit vier Blöcken gegen die ersatzgeschwächte Berliner Auswahl (viele der Leistungsträger spielen in der DEL-Mannschaft der Eisbären) anzutreten, um die Luft ein wenig zu verteilen. Bereits nach einigen Spielminuten war aber klar, dass die Gäste den Kurstädtern alles abverlangen würden, so z.B. Sylvestre in der 2.Minute, der Ingo Schwarz zum ersten Mal prüfte. Der Nauheimer Schlussmann musste in der 5.Minute schon wieder eingreifen, nachdem Fiedler die Scheibe flach schoss anstatt über den am Boden liegenden Goalie hinweg ins Tor zu spielen, ansonsten hätte es da wohl schon 0:1 gestanden. Aber diese Szene war symptomatisch für das Bad Nauheimer Spiel, denn die Berliner konnten im Drittel der Hausherren fast nach Belieben agieren und hatten viel Freiraum. Die Teufel hingegen brauchten zu lange, um von Abwehr auf Angriff umzuschalten, zumal die Pässe auch nur selten ankamen. Die besten Möglichkeiten in der Anfangsphase hatten noch Naulin und Hackert in der 4.Minute, doch Berlins Torhüter Stefaniszin war mit den Schonern beide Male zur Stelle. In der 10.Minute hatten die Hauptstädter erneut eine Szene vor dem Nauheimer Kasten mit viel Platz und Zeit zum Passen, was Fischer mit einem Rückhandschuss zur 1:0-Führung der Gäste nutzte. Dieses Tor hatte sich abgezeichnet, denn das Team von Jeff Tomlinson spielte geradlinig und schnörkellos nach vorne und bekam von den Gastgeber quasi die Einladung zum Toreschießen, die diese dankend annahmen. Kurz vor der ersten Pause hätten die Eisbären sogar noch auf 2:0 erhöhen können, Weiß schoss aber einen Teamkameraden an, der unfreiwillig für den bereits geschlagenen Schwarz auf der Linie klärte.
Zum Mitteldrittel kamen die Hausherren präsenter zurück auf das Eis. Man merkte ihnen deutlich an, dass sie jetzt näher am Mann stehen wollten, was sich auch gleich in Strafzeiten gegen die Juniors auswirkte. Als gleich zwei der Gäste die Strafbank drückten, war es Kapitän Steffen Michel, der mit einem Schlagschuss den 1:1-Ausgleich von der blauen Linie aus markierte. Nun waren die Hausherren im Spiel und kamen zu guten Gelegenheiten durch Mader (22.Min) und Kainulainen (24.Min), die jedoch ungenutzt blieben. Inzwischen hatte Thomas Barczikowski auf drei Sturmreihen und fünf Verteidiger umgestellt, um so den Druck entsprechend zu erhöhen. Aber die Eisbären befreiten sich allmählich wieder von der Umklammerung und kamen ab der Hälfte des Drittels wieder besser in die Partie. Sogar in Unterzahl legten die Gäste erneut vor, nachdem es Brett Larson in der Defensive gleich mit zwei Akteuren nach einem Vorstoß zu tun bekam, ihm aber kein zweiter eigener Mann zur Hilfe eilte. Dies nutzte Jason Grinevitch nach Vorarbeit von Jared Sylvestre zum 2:1 für die Eisbären aus. Aber die Nauheimer kämpften und rannten nun gegen das Tor der Berliner an. Mikko Kainulainen fand dann in der 34.Minute aus eigentlich unmöglichem Winkel das Tor, als er die Scheibe millimetergenau zwischen Pfosten und Schoner des Torhüters zum erneuten Ausgleich in die Maschen setzte. Aber wieder dauerte der Jubel nicht allzu lange, denn noch vor der Pause verwandelte Schenkel mit einem Onetimer nach Vorlage von Fiedler und bedankte sich damit für den erneuten Freiraum, den die RT-Defensive ihm überlassen hatte.
Nun war es klar, dass es noch einmal ganz harte zwanzig Minuten werden würden, aber genau rechtzeitig kam das 3:3 durch Mader in der 44.Minute, als der Stürmer eine sehenswerte Kombination, bei der endlich mal schnell und exakt nach vorne gespielt wurde, erfolgreich abschließen konnte. Aber wieder war der Jubel kaum verhallt, als genau 58 Sekunden später Angermann mit einem Sonntagsschuss unter die Latte das 4:3 für die Eisbären erzielte. Von diesem erneuten Schock erholten sich die Gastgeber nicht mehr, zumal man sogar noch Unterzahlsituationen überstehen musste, so dass auch die Zeit so langsam davon lief. Kurz vor dem Ende nahm der RT-Coach zwar noch einmal seinen Torhüter zugunsten eines weiteren Feldspielers vom Eis, aber es sollte alles nichts mehr nutzen: die Berliner hatten unter dem Strich verdient gewonnen und nehmen somit ihre ersten drei Zähler mit nach Hause.
STIMMEN ZUM SPIEL:
Jeff Tomlinson: "Ich habe ein Kampfspiel erwartet, denn Bad Nauheim hat immer eine kämpferische Mannschaft, was sie auch heute wieder gezeigt haben. Wir waren heute in Unterzahl stark verbessert und haben das ausgegebene System umgesetzt. Auch hat der Torhüter stark gespielt, und überhaupt haben heute Spieler die Akzente gesetzt, die sonst nicht so sehr im Vordergrund stehen. Der Sieg ist für die Moral ganz wichtig, so dass ich natürlich sehr zufrieden bin."
Thomas Barczikowski: "Ich bin sehr enttäuscht, und ich hasse es, dem gegnerischen Trainer nach dem Spiel zu gratulieren, denn das heißt immer, dass man verloren hat. Wir haben heute gut gekämpft, aber im Endeffekt dumm gespielt. Wir hatten den Kopf nicht auf dem Eis gehabt, auch erwarte ich von gestandenen Oberligaspielern einfach mehr. Die Tore müssen irgendwann mal fallen, wir machen einfach zu wenig aus unseren Chancen. Berlin hat heute hingegen kompakt gestanden und die sich bietenden Möglichkeiten eiskalt ausgenutzt. Von daher geht der Sieg in Ordnung. Für uns heißt es nun, die Köpfe für das Spiel in Miesbach frei zu bekommen. Am Samstag haben wir Mannschaftssitzung, und da werde ich für den einen oder anderen Spieler die passenden Worte finden."
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