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WM 2001

Gefeierte Verlierer: Zach-Bubis verschafften sich Respekt

"Wir haben uns in die Herzen der Fans gespielt"

Köln (dpa) - Das "Wunder von Kölle" blieb aus, aber der WM-Abschied der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft war zauberhaft. "Oh, wie ist das schön", jubelten die Fans und entfachten nach dem Viertelfinal-K.o. gegen Finnland in der Kölnarena pure Siegesfreude. "Das war von A bis Z eine gelungene W M. Wir werden wieder ernst genommen", zog Bundestrainer Hans Zach ein rundum positives Fazit der Weltmeisterschaft, "diese einmalige Mannschaft hat gegen Topgegner auf höchstem Weltniveau mitgehalten, hat Großartiges geleistet und ist nie eingegangen. Das hat es noch nie gegeben. Ich bin unglaublich stolz."

Als sich die Zach-Bubis mit Ehrenrunden bei ihren begeisterten Anhängern bedankten, suchte Franz Reindl nach Worten für die unerwarteten Glanzleistungen der deutschen Mannschaft. "Ich bin überwältigt. So eine WM hätte ich im Traum nicht erwartet. Das ist ein Riesenschritt nach vorne", schwärmte der Sportdirektor des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB), der auch Generalsekretär des WM-Organisationskomitees ist. "Super-Team, Super-Charakter, Super-Turnier", brachte Daniel Kreutzer, der mit Torhüter Christian Künast und WM-Neuling Dennis Seidenberg zum besten deutschen WM-Spieler gewählt wurde, die positive Stimmung zum Ausdruck.

Das 1:4 gegen die finnischen "Löwen" war schnell vergessen. Dreißig Minuten lieferte die DEB-Auswahl einen beherzten Kampf, doch der Weltmeister von 1995 nutzte eiskalt seine Chancen und beendete den DEB-Traum, erstmals nach 48 Jahren wieder in ein WM-Halbfinale vorzustoßen. "Die Finnen haben uns nicht unterschätzt, das war unser Pech. Aber es ist kaum zu glauben, dass wir gegen einen WM-Favoriten streckenweise sogar dominierend waren", sagte Zach.

Zum drittenmal nach 1993 und 1996 scheiterte ein DEB-Team im Viertelfinale, doch noch nie entfachte eine Mannschaft eine derartige Euphorie wie in Köln und Hannover. "Nur 2,5 Gegentore und elf Tore in sieben Spielen. So was hat eine deutsche Mannschaft noch nie geschafft", sagte Zach, der vor drei Jahren die Mannschaft als Weltranglisten-Nummer 20 übernahm und in nur zwölf Tagen aus dem Eishockey-Niemandsland auf Platz acht und zur nächsten WM nach Schweden führte. "Wir haben uns in die Herzen der Fans gespielt, die nach sechs, sieben Jahren Frust ihre Freude mit einem unvergesslichen Erlebnis ausleben konnten."

Kampfgeist, Disziplin und Moral waren nicht alles, was das DEB-Team zu bieten hatte. Mit bisher kaum gekanntem Spielwitz brachte die deutsche Mannschaft Titelverteidiger Tschechien (2:2) und die Dollar-Millionäre aus Kanada (3:3) an den Rand einer Niederlage und verschaffte sich überall Respekt. Kanadas Eishockey-Legende Wayne Gretzky bescheinigte der DEB-Auswahl "intelligentes Eishockey", Finnlands Trainer Hannu Aravirta sprach von "Eishockey mit Herz" und Russen-Coach Boris Michailow hat "noch nie eine so gut organisierte deutsche Mannschaft gesehen". Das Lob von höchster Stelle war mehr als nur ein Trostpflaster für das Aus gegen Finnland. "Wir können mit erhobenem Haupt nach Hause gehen", sagte Andreas Loth.

Zach bedankte sich am Donnerstagabend in Einzelgesprächen bei jedem Spieler und verabschiedete sich dann in den Urlaub nach Gran Canaria. Danach sollen bei einem Gipfeltreffen mit der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) der Streit beendet und die Weichen für die Zukunft gestellt werden. "Ich reiche der DEL-Spitze die Hand", schlug Zach versöhnliche Töne an und forderte alle zu einem gemeinsamen Miteinander auf. Zach: "Das deutsche Eishockey musste lange genug leiden. Wir müssen die Chance nutzen, denn wir wollen in der A-Gruppe bleiben. Aber wenn kein Respekt zurückkommt, dann wird man einen Zach erleben, wie er leibt und lebt. Ich weiche keinen Millimeter zurück."

Zach löste mit seiner Forderung, ab 2004 nur deutsche Torhüter einzusetzen, Kritik bei der DEL aus. "Aber das Torwartproblem brennt uns unter den Nägeln. Es ist eine Todsünde, einen deutschen Keeper auf die Bank zu setzen", betonte Reindl. Auch Marco Sturm, der sich nahtlos in die Mannschaft einreihte, mit vier Treffern bester DEB- Torschütze war und laut Zach als "Teamleader" beeindruckte, nahm die DEL nach seinem wohl letzten Gastspiel in der Heimat in die Pflicht. "Die deutschen Spieler müssen mehr Eiszeit bekommen, sonst landen wir wieder in der B-Gruppe und da wollen wir nicht hin. Wir wollen oben bleiben", sagte der NHL-Profi von den San Jose Sharks. Von Gerd Münster, dpa
Stand: 11.05.2001, 23:00 Uhr
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